Kahl und draußen

Mai 22, 2012 at 4:37 pm 2 Kommentare

Auszug aus meiner Autobiografie…

Schnell fand ich eine Wohnung, die mir gefiel. Die großzügigen Räume mit ihren hohen Decken und den schönen Holzfenstern besaßen eine phantastische Atmosphäre. Es war eine Wohnung über zwei Etagen. Vom Balkon aus hatte man einen wunderschönen Blick auf alte Gärten und Bäume. Schon bald nach dem Einzug kündigte sich durch die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und steigende Temperaturen der Frühling an. Seit Jahren hatte ich von einem größeren Balkon geträumt. Ich zog los und besorgte Balkonkästen, Erde und die entsprechende Bepflanzung, um mir mein Zimmer im Freien für die nächsten Monate gemütlich einzurichten. Ich pflanzte munter drauf los und freute mich auf den bevorstehenden Sommer. Aladin bekam eine Ecke mit einer kleinen Wiese, die er über alles genoss.
Doch der Balkon hatte einen entscheidenden Nachteil. Er war nachträglich angebaut worden. Über meiner Wohnung befand sich das Dachgeschoss mit drei in die Dachschräge eingelassenen Balkons, so dass die Nachbarn genau über mir einen vollen Ausblick auf meinen Balkon genießen konnten. Es wurde ein heißer Sommer. Ich glaubte, es riskieren zu können, ohne Kopfbedeckung auf den Balkon zu gehen. Ängstlich blickte ich nach oben. Niemand war zu sehen. Die meisten Nachbarn schienen nachmittags noch auf der Arbeit zu sein, während ich als Lehrerin oft schon mittags nach Hause gehen konnte. Ich wollte selbst die Entscheidung treffen, wem ich wann meinen bloßen Kopf zeigte. Wenn sich schon mein Körper meiner Kontrolle entzog, so wollte ich zumindest Einfluss darauf nehmen können. Ich fasste Mut und setzte mich in meinen Liegestuhl, um den schönen Nachmittag zu genießen und ein wenig gleichmäßig zu bräunen. Im Sommer hatten die Kopftücher nämlich einen weiteren entscheidenden Nachteil. Da ich sehr schnell braun werde, habe ich sofort eine scharfe Linie dort, wo das Tuch sitzt. Dann ist mein Gesicht gebräunt und Kopf kalkweiß. Daran hoffte ich nun unbeobachtet etwas ändern zu können. Plötzlich passierte es!
„Wunderschön, wie Sie den Balkon bepflanzt haben!“
Ich glaubte, mein Herz blieb stehen. Die Stimme kam von oben. Es gab keine Möglichkeit der Flucht. Zögernd blickte ich auf. Schräg über meinem Balkon lehnte ein älterer Herr über dem Geländer und grüßte freundlich. Mir blieb keine Wahl. Ich musste die Unterhaltung aufnehmen, so wie ich war. Zu meinem Erstaunen gab es keine Fragen, warum ich so aussähe. Ich musste keine Erklärungen abgeben. Es war ein Gespräch unter Nachbarn, das mit größter Selbstverständlichkeit geführt wurde.
Da meine erste Erfahrung so positiv verlaufen war, machte es mir bald nichts mehr aus, auf dem Balkon mit Glatze gesehen zu werden.

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2 Kommentare Add your own

  • 1. freudefinder  |  Mai 22, 2012 um 5:38 pm

    was für eine gute Erfahrung – wie schön, dass der Nachbar so selbstverständlich damit umging – aber wieso auch nicht…. Wie schon Ihr Titel heisst – das Glück beginnt IM Kopf. Wir haben so viel selbst in der Hand, wenn wir die Kraft dazu haben……

    Antwort
    • 2. haircoaching  |  Mai 30, 2012 um 11:30 am

      Danke für Ihren positiven Kommentar, der sicher vielen Mut macht.
      Ja, ich stimme Ihnen zu, wir haben es IMMER selbst in der Hand 🙂

      Antwort

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Jenny Latz

Jenny Latz

Haircoach, Autorin und Schönheitsexpertin

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