Tatort aus Münster bricht Tabu, das keines mehr ist.

Juni 1, 2015 at 2:39 pm Hinterlasse einen Kommentar

Der gestrige Münsteraner Tatort machte Homosexualität zum 
Thema, vernahm ich bereits beim Studium der Frühstücks-
lektüre.
Aha, dachte ich, interessant und sicher witzig und sagte 
meinen Freunden für den Abend ab.
Ich liebe Jan Josef Liefers und Axel Prahl als Schau-
spieler und besonders im gegenseitigen Schlagabtausch in 
diesen Rollen.
Der Artikel jedoch handelte größtenteils davon, dass 
Homosexualität noch immer ein Tabu unserer Gesellschaft 
sei.
Das mag mal so gewesen sein, aber dieses Tabu ist im ur-
eigensten Sinne des Wortes schon lange geknackt.
Was heißt eigentlich Tabu?
Tabus bleiben unausgesprochen und werden nur indirekt 
thematisiert, fand ich u.a bei Wikipedia.
Über Homosexualität wird seit geraumer Zeit öffentlich 
gesprochen - zumindest bei uns in Deutschland. Damit ist 
es kein Tabu mehr.
Körperliche und geistige Behinderungen sind ebenfalls 
schon lange als Tabu gefallen.
Musiker und Schauspieler mit Down-Syndrom und Politiker 
im Rollstuhl sind zwar noch immer kein alltägliches Bild, 
aber es gibt sie. Sie werden gezeigt, besprochen - 
öffentlich.
Jenny Latz haarlosWas es nicht gibt, in unserer 
Gesellschaft ist Haarlosigkeit bei 
Frauen, Mädchen und Kindern.
Berichtet wird über uns als 
Kranke, von der Ausnahme 
Gezeichnete.
Aber im Alltagsleben, in den 
Medien kommen wir nicht vor. 
Punkt!
Wo ist denn die kahle Moderatorin?
Wo bleibt das haarlose Mädchen in 
einer Rolle für einen sonntäglichen 
TV-Film?
Fehlanzeige!
Damit ist Haarlosigkeit bei uns Frauen DAS letzte Tabu 
unserer Gesellschaft.
Seit 40 Jahren lebe ich ohne Haare!
Seit 25 Jahren kämpfe ich für Akzeptanz!
Was macht es so für uns schwierig?
Es sind die unzähligen PR-Kampagnen für Chemo-Patientinnen 
in den letzten 20 Jahren, die mit äußerster Aggressivität 
nicht auf die Erkrankung selbst, sondern auf eines von 
sehr, sehr vielen Symptomen der Therapie fokussiert 
waren und sind - dem kompletten Verlust der Haare.
Jede erkrankte Promifrau wird eingespannt und muss - 
ob sie will ist manchmal die Frage - öffentlich zum 
Verlust ihrer Haare und dem Verstecken dieses Makels 
unter einer Perücke Stellung nehmen.
Wo bleibt die Nachrichtensprecherin, die gerne ein 
Haarteil trägt, um ihrer androgenetische Alopezie am 
Oberkopf zu verdecken?
Wo der Moderator, der sich dazu bekennt, dass er 
seine blonden Löckchen schon lange künstlich 
verdichten lässt?
Das alles hat Haarlosigkeit bei Frauen endgültig in die Tabuecke 
gedrängt.
In Ketten scheinen wir Frauen ohne Haare und ohne 
Krebs hier an die Wand gefesselt. Werden bei dem mutigen 
Schritt in die Öffentlichkeit mit Mitleid überhäuft, 
müssen uns erklären ...
"nein, ich habe keinen Krebs, ich habe alopecia areata, 
eine Autoimmun...."
Schluss damit!
Wir müssen das Ruder herumreißen und die Ketten 
sprengen. 
Frauen ohne Haare sind ein Teil der Vielfältigkeit 
unserer Gesellschaft. Davon werden letztlich auch 
die Chemopatientinnen profitieren.
Die Diskussion ist eröffnet!
Areata-Amazonen auf zum Angriff!



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Neue Perücken Modelle auf der Zweithaar 2015 Haarausfall diffus – lange Leidensgeschichte

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Jenny Latz

Jenny Latz

Haircoach, Autorin und Schönheitsexpertin

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