Alopecia areata: Mama hat keine Haare – Wie können meine Kinder damit umgehen?

Januar 26, 2016 at 4:19 pm 17 Kommentare

Kürzlich hatte ich eine interessante Anfrage für eine Telefonberatung, von der ich meine, dass diese Problematik sicher viele von euch ansprechen könnte.

alopecia areata

Es ist eines, mit sich selbst zurecht zu kommen, wenn man bzw. in diesem Fall frau aufgrund der alopecia areata alle Haare verliert. Aber wie sieht es mit Müttern aus, deren Kinder in der Schule oder der Freizeit die Fragen anderer Kinder beantworten müssen. „Wieso hat deine Mutter denn keine Haare?“ „Trägt deine Mutter eine Perücke?“
Mit diesem Problem sah sich eine Mutter konfrontiert, die meinen Rat suchte. Nach Rücksprache mit ihr und um eine öffentliche Diskussion anzustoßen, habe ich mich entschlossen, diesem Thema einen Blogbeitrag zu widmen.
Die Mutter – nennen wir sie Anna – ist 39 Jahre alt. Hier ihre Anfrage:

Haarausfall-PerückeSeit gut drei Wochen habe ich keine Kopfbehaarung mehr. Ich hatte schon öfter kreisrunden Haarausfall, aber meist ließen sich die Stellen noch kaschieren.
Meine größte Sorge ist, wie meine 4 Kinder damit klar kommen, v.a., wenn ich mich irgendwann in der Öffentlichkeit ohne Haare zeige.
Ich befürchte, daß es besonders für meine beiden großen Kinder(8 und 10 Jahre) unangenehm wird, sich mit ihrer kahlen Mama zu zeigen.
Ich lehne für mich Perücken ab und mich belastet der Haarausfall nicht so sehr. Ich mache mir nur Gedanken um meine Kinder und habe Angst, daß sie dadurch Probleme mit ihren Mitschülern kriegen.
Allerdings möchte ich mich nicht immer nur unter Tüchern verstecken, v.a. nicht im Sommer, oder im Schwimmbad, denn die Situation gab es schon und mit Badekappe schwimmen ist nicht so angenehm. Ich suche also einen Weg, mit dem meine Kinder mit meinem Aussehen in der Öffentlichkeit umgehen können.

Ich würde mich sehr über einen regen Austausch freuen. Anna wird sich hier auch beteiligen.

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Therapie bei Trichodynie – ein Erfahrungsbericht Alopecia Areata Deutschland Kongress 2016 – ein Bericht

17 Kommentare Add your own

  • 1. Kathi  |  Januar 26, 2016 um 5:03 pm

    Hallo Anna, hallo Jenny,

    Ich habe seit ich 20 bin keine Haare mehr. Totalis. Mit 25 bekam ich meinen Sohn der nun 2 1/2 ist und in die Kita geht.
    Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht, wie die Kinder reagieren würden. Mein Sohn geht Gott sei dank in eine wirklich tolle Kita. Eine Erzieherin hat mich angesprochen, dass ich in einer der größeren Gruppen, das Gesprächsthema wäre. Ich habe mich dann dazu bereit erklärt, einmal zum Frühstück dazu zu stoßen und mich einer Fragerunde zu stellen.
    Die Kinder 4-6 Jahre waren alle sehr interessiert. Als sie aber merkten, dass gar nichts spannendes dahinter steckt (keine wirklich spannende Krankheit), waren sie schon eher gelangweilt 😏
    Auch die Frage, warum ich keine Perücke trage kam auf. Ich habe den Kindern erklärt, dass sie bestimmt auch nicht immer, wie an Fasching, verkleidet rumlaufen wollen. Das so eine Perücke kratzt und warm ist. Und das es eine Verkleidung ist, man aber ja manchmal einfach nur man selbst sein möchte. Die Erklärung haben die Kinder sehr gut aufgenommen und seit dem nehme ich diese Erklärung auch immer wieder gerne.

    Ich habe immer noch Angst, wie die Kinder reagieren werden, wenn mein Sohn irgendwann in die Schule kommt. Kinder können grausam sein. Und Mobbing gibt es schon bei viel belangloseren Themen.
    Aber ich glaube so lange man selbst offen mit dem Thema umgeht, wird es für alle anderen auch einfacher.

    Vielleicht solltest du auf einem Elternabend den Eltern erzählen, dass du keinen Krebs hast. Dann können sie es an ihre Kinder weiter geben. Vielleicht nimmt man den ganzen Glatzenthema dann die Spannung.
    Oder du gehst wirklich in die Klassen deiner Kinder und stellst dich der Fragen.
    Mein Kind kennt mich gar nicht anders, ich hoffe für ihn wird es später auch einfach normal sein und er steht über doofen Sprüchen.

    Unsere Kinder werden realisieren, was für starke Menschen wir sind. Das wir uns nicht verstecken.
    Und ganz ehrlich, heutzutage laufen so viele Frauen mit Verschiedenen Frisuren rum – warum sollte nicht auch die Glatze bald normal sein?
    Wir sind so eine moderne Gesellschaft.
    Ich hoffe das mehr Frauen den Mut haben ohne Haare rum zu laufen. Sich nicht unter kratzenden Perücken verstecken.
    Dann müssen wir auch nicht mehr drüber nachdenken, ob wir es unseren Kindern, mit unserer Entscheidung gegen die Perücke, schwer machen 💪🏼

    Antwort
  • 2. Uta Jordans  |  Januar 26, 2016 um 5:18 pm

    Meine Große (16) hat nur Angst, dass sie es auch bekommt. Die Jüngere (13) hat kein Problem damit. Beide haben jeweils Haare für zwei. Ich bin ausreichend nicht normal, dass das den Braten auch nicht mehr fett macht. Ich hatte schon keine Haare mehr, als ich Kinder bekommen habe. Sie kennen mich nicht anders. Freunde wurden in die Wohnung geholt ohne dass sich irgendwer darum geschert hat, ob ich eine Perücke an habe. Da war es mein Problem. Jetzt gehe ich seit fast zwei Jahren ohne. Nun wäre es ihr Problem. Aber es gab nur eine Anfrage anlässlich eines Eltern abends ob ich Krebs habe, nachdem ich oben ohne gegangen bin. That’s it. Je weniger Brimborium man macht um so leichter ist es.

    Antwort
  • 3. sabrina  |  Januar 26, 2016 um 5:51 pm

    Ich trage in der Öffentlichkeit hauptsächlich perrücke aber zuhause ist mein „oben ohne Bereich“ 😀 meine Tochter ist 8 und ist damit aufgewachsen das ich keine Haare habe. Für sie also total normal und auf Fragen antwortet sie auch ohne sich zu schämen. Meine Mama hat keine Haare. Wenn Kinder zu uns nach hause kommen zum spielen mache ich die Eltern und Kinder vorher drauf aufmerksam und erkläre die Situation. Man unterschätzt die kinder, die interessiert das meist garnicht wirklich. Es kommt die ein oder andere Frage warum und dann ist gut. Ein Kind hat mal zu mir gesagt das es mich ohne Haare blöd findet und ein bisschen Angst hat. In dem Fall setze ich die perrücke auf und bin dankbar für die Ehrlichkeit. Man macht sich als Erwachsener zu viel Gedanken, die meisten Kinder interessiert es nicht wirklich.

    Antwort
  • 4. AndreaAdler  |  Januar 26, 2016 um 7:08 pm

    Meine Tochter war Anfang 20 als ich mein Kopfhaut verlor und geht wie meine Freunde entspannt damit um ! Ich bin Physiotherapeutin und arbeite ohne Perücke und ohne Kopfbedeckung einem Alten und Pflegeheim! Meine Freunde, meine Tochter eigentlich alle sagen : Ohne Perücke finden wir dich am schönsten! Das macht es mir leichter! Ich trage Perücke wenn ich mich weiblicher fühlen möchte – klingt ein bißchen verrückt ist aber so!
    Was ich eigentlich erzählen wollte ist ein Erlebnis, dass beim Einkaufen letzten Sommer hatte! Ich betrat den Supermarkt und ein Kind rief laut: Mama Mama guck mal, die Frau hat keine Haare auf dem Kopf! Ich hätte keine Zeit irgendwie darüber nachzudenken was da jetzt los ist oder schockiert zu sein, denn die Mutter sagte laut: Ja und hast du auch die tollen Ohrringe gesehen? Aus der anderen Ecke kam : bei dem Wetter ist das doch super- es ist soooo heißt! Ich dachte nur super- kann ja auch ganz einfach sein !!! Und bin mit einem strahlendem Lächeln weiter gegangen!
    Ich denke Kinder sind da viel entspannter und gehen ehrlich und locker damit um wenn man selber eine gewisse Akzeptanz und Normalität mit dieser Krankheit lebt!

    Antwort
  • 5. Janina  |  Januar 26, 2016 um 8:26 pm

    Also bei mir ist es genau umgedreht. Meine Tochter 9 hat seit 6 Jahren kreisrunden Haarausfall und ich mache mir Sorgen darum wie sie es verkraftet wenn andere was blödes zu ihr sagen. Sie geht ganz cool damit um, will auch nichts auf dem Kopf tragen. Aber ich sage es ganz ehrlich! Mir macht es was aus! Und trotzdem gebe ich ihr immer das Gefühl von Stärke und Sicherheit. Ich verstehe Deine Sorgen sehr gut, aber je selbstsicherer du allen gegenüber bist um so besser können Deine Kinder auch mit umgehen. Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und Gute und habe vollen Respekt vor allen Leuten hier die so stark sind. Meine Tochter sagt: ‚ Mama das sind doch “ nur “ Haare‘!

    Antwort
  • 6. Anna  |  Januar 26, 2016 um 9:44 pm

    Hallo,
    vielen Dank für Eure hilfreichen Kommentare!

    Kathis Erklärung mit der Verkleidung an Fasching finde ich für die
    Kleinen sehr gut und werde das gern auch übernehmen.

    Für uns ist meine „Kahlheit“ erst noch ziemlich neu
    und ungewohnt.
    Erst kurz vor Weihnachten habe ich mir die restlichen
    dünnen Strähnen abrasiert.
    Vorher hatte ich nur einzelne Stellen und konnte immer ohne
    Kopfbedeckung rumlaufen.
    Meine beiden Großen haben mich schon früher öfter ängstlich
    gefragt, ob die Haare mal ganz ausfallen. Für sie war es dann auch
    erstmal schwierig, mich so zu sehen.
    Am liebsten sollte ich auch zu Hause mit Kopfbedeckung rumlaufen.
    Mittlerweile haben sie sich an mein verändertes Aussehen gewöhnt.
    Aber wenn wir in der Öffentlichkeit sind, ist es Ihnen lieber, wenn ich
    mir etwas aufsetze, wie z.B. eine Badekappe im Schwimmbad.
    Sie haben Angst, daß jemand was Dummes sagt, oder über mich lacht und ich
    dann traurig bin.
    Ich erkläre ihnen dann, daß es für mich überhaupt nicht schlimm ist und daß es
    für alle erstmal nur ein ungewohnter Anblick ist.

    In der Grundschule ist es sicher einfacher, Schüler, Eltern und Lehrer aufzuklären,
    denn diese ist eher klein.
    Aber mein großer Sohn kommt dieses Jahr auf eine sehr große, weiterführende
    Schule und da habe ich schon Angst, daß was Blödes zu ihm gesagt wird in
    Bezug auf meinen kahlen Kopf.
    Jenny hat mir am Telefon viele gute Tipps gegeben,wie man die Leute
    aufklären kann. Das sage ich auch meinen Kindern, so daß sie auch eine Antwort
    parat haben.

    Wenn Freunde meiner Kinder kommen, rede ich mit ihnen über meinen
    Haarausfall und erkläre ihnen, woher er kommt und was das bedeutet.
    So versuchen wir nach und nach, die Menschen in unserem
    Umfeld aufzuklären.

    Gestern erzählte mir meine große Tochter (8), daß
    sie von sich aus mit Ihrer Klassenlehrerin über meinen Haarausfall gesprochen
    hat und ihr davon erzählt hat.
    Das ist für sie schon ein großer Fortschritt, denn für sie ist
    es am schwierigsten, damit klar zu kommen.

    Vielen Dank nochmal für Eure Ideen!

    Ich freue mich sehr auf weitere Beiträge und Kommentare!

    Liebe Grüße

    Antwort
  • 7. haircoaching  |  Januar 27, 2016 um 11:07 am

    Wow!!!!
    Diese Resonanz haut mich total um. Danke an alle Mütter für die Ideen, Anregungen und Gedanken, die nun auch vielen anderen weiterhelfen werden.
    Natürlich bleibt dieser Beitrag für weiteren Austausch!
    LG
    Jenny Latz

    Antwort
  • 8. Anna  |  Januar 27, 2016 um 12:47 pm

    Es tut sehr gut, Eure Erfahrungen zu lesen! Danke!
    Das hilft mir sehr, ein bißchen optimistischer in die Zukunft zu schauen,was die Akzeptanz durch die Kinder in der Umgebung meiner Kinder angeht.

    Besonders interessant fand ich auch den Kommentar von AndreaAdler.
    Ich bin nämlich auch Physiotherapeutin, aber noch in Elternzeit!
    Ich finde es toll, daß Du ohne Kopfbedeckung arbeitest, denn ich habe mir auch schon Gedanken darüber gemacht, wie ich in Zukunft auf Arbeit „auftreten“ werde.

    Vielen Dank Euch allen-Eure Erfahrungen machen mir sehr viel Mut!

    Liebe Grüße

    Antwort
  • 9. seinsfindung  |  Januar 27, 2016 um 1:39 pm

    Hallo eine Freundin hat mir diese Seite empfohlen, vorweg, ich habe kein Alopecia, trage jedoch seit 2009 Glatze.Ich bin 50 Jahre alt. Ich trage aus zwei unterschiedlichen Gründe eine Glatze. Der eine Grund ist mein Spiritualität – mein Bezug zum Buddhismus, der andere ist, dass ich bewusst auf ein weibliches Schönheitsideal verzichtet habe aus dem Grund das viele Frauen enorm darunter leiden, wenn sie aus Krankheitsgründen keine Haare mehr haben. Ich wollte ein Zeichen setzen in unserer Gesellschaft, ich bin Frau, ich trage Glatze und dennoch bin ich Teil von allem, ich habe Freunde, eine Familie und eine kleine Tochter von 8 Jahren.

    Im Laufe der letzten 5 Jahre wurde ich oft gefragt warum ich keine Haare trage, anfangs habe ich geantwortet, weil ich Buddhistin bin – doch diese Begründung wurde im Laufe der Zeit immer unwichtiger, sie erschien mir mehr wie eine Entschuldigung für mein Verhalten, bewusst nach dem Rasierer zu greifen. Mittlerweile ist der Buddhismus kein Grund mehr. Aber die Bereitschaft etwas zu tun, das anderen Mut macht zur Authentizität, Mut dazu zu stehen wer man wirklich ist – das ist der Grund warum ich mir immer noch mindestens einmal die Woche den Kopf rasiere. Ich gehe bewusst an die Öffentlichkeit, ich schreibe über mein Erleben. Und ich mache deutlich, das die weibliche Attraktivität nicht verloren geht, wenn wir auf ein gesellschaftlich wichtiges Atribut verzichten. Ihr müsst keine Perücken tragen um euch selbst schön zu finden – ihr seid es!!!

    Meine Tochter war damals 2 Jahre alt, als ich mir das erste mal den Kopf rasierte. Sie strich über meinen kahlen Schädel und lachte über das ganze Gesicht. Wenn sie heute jemand fragt, warum ich keine Haare habe, grinst sie und sagt: „Ist halt so!“

    Es ist nicht so, dass es immer leicht war – sich zu entscheiden als Frau keine Haare zu tragen, heißt sich am Rand der Gesellschaft zu bewegen – Es war und ist für mich die wichtigste Entscheidung in meinem Leben gewesen, die ich keinen Moment bereue.

    Die ersten Wochen waren hart, viele Freunde hatten mit meiner Glatze ein Problem, meine Schwiegereltern fingen an zu weinen bei meinem Anblick. Ich gehe sehr offen mit meiner Erscheinung um. Bei Fragen antworte ich und ansonsten lächel ich zurück, wenn mich jemand lange anstarrt. Es gab eine Zeit da trug ich auch im Sommer Kopftücher. Doch diese Zeit ist lange vorbei. Ich stehe zu meinem kahlen Schädel – doch im Gegensatz zu euch kann ich das jederzeit wieder ändern und DASS ist der Grund warum ich es nicht ändere. Auch wenn ich nicht eure Krankheit habe, so habt ihr mein Verständnis, denn ich weiß jetzt wie es sich anfühlt als Frau in dieser Gesellschaft. Diese Erfahrung wird mir niemals jemand nehmen können. Und wenn ich mit meinem Erscheinungsbild nur einer einzigen Frau Mut zusprechen kann zu sich und ihrem Sein zu stehen, dann habe ich alles erreicht was ich je erreichen wollte.

    Alles liebe von der Jo vom Tierhof Amoa

    Antwort
  • 10. Anna  |  April 11, 2016 um 9:14 pm

    Hallo,
    mittlerweile ist einige Zeit vergangen und es hat sich bei mir und vor allem in meinem Verhalten bezüglich meines kahlen Kopfes einiges geändert.
    Die Beratungen bei Jenny und Eure Kommentare haben so viel bewirkt und mich sehr beeinflusst.
    Beeindruckend und mutmachend fand ich auch den Kommentar von Jo. Es ist sehr interessant zu lesen, daß eine Frau sich bewußt gegen Haare entscheidet und somit mit den vielen haarlosen Frauen sympathisiert. Das hat mir auf jeden Fall sehr geholfen und
    mein Selbstbewusstsein sehr gestärkt.

    Meine Kinder haben sich an meinen kahlen Kopf ganz gut gewöhnt und ich zeige mich nach und nach immer mehr in der Öffentlichkeit so, wie ich bin.
    In den Ferien waren wir viel im Schwimmbad und ich habe auf eine Badekappe verzichtet. Ich mußte schon tief durchatmen, als ich das erste Mal das Bad ohne Kopfbedeckung betrat, aber es war ein absolut befreiendes Gefühl, so frei zu schwimmen und zu tauchen.
    Es waren auch jede Menge Freunde und Bekannte meiner Kinder da, aber für meine Großen war es überhaupt kein Problem, daß ich mich so zeigte, wie ich bin. Wenn ich gespürt habe, daß mich jemand anschaut, habe ich einfach freundlich zurückgeschaut und kurz gegrüßt.
    Ein Junge sah mich fragend an und meinte zu mir:“Glatze?“. Ich erklärte ihm dann, daß die Haare einfach ausgefallen sind und damit war das Thema erledigt.
    Für meine Kinder wird es immer selbstverständlicher, daß man mich haarlos sieht, so, wie für mich eben auch.
    Man merkt wirklich, je lockerer ich mit meiner Haarlosigkeit umgehe, desto lockerer können auch die Kinder damit umgehen und desto weniger außergewöhnlich wird es bei uns zu Hause.
    Allerdings gibt es noch jede Menge Bereiche, die ich mir noch „erarbeiten“ muß. Aber das kommt alles nach und nach.

    Im Garten bin ich bei schönem Wetter grundsätzlich ohne Kopfbedeckung und genieße die warme Sonne.
    Und wenn es jetzt an der Tür klingelt und die Post kommt, oder ich mal schnell zum Briefkasten gehe, setze ich nicht immer gleich panisch eine Mütze auf, auch wenn es mich noch einige Überwindung kostet, mit kahlem Kopf die Tür zu öffnen.

    Einen Aspekt, den ich sehr interessant finde, ist der, daß fast jedes Mal, wenn ich Nachbarn oder Bekannten erkläre, warum ich keine Haare habe, diese auch jemanden kennen, der auch kreisrunden Haarausfall hat. Entweder auch als totalis/universalis, als areata oder daß die Haare wieder gewachsen sind. Es ist doch erstaunlich, wie viele Betroffene es gibt, von denen man vorher nie etwas mitbekommen hat.
    Aber da sieht man, daß es doch recht wenige gibt, die sich öffentlich zeigen, so, wie sie sind, also ohne Haare.

    Es macht mir auf meinem Weg, mich immer mehr in den verschiedensten Situationen ohne Haare zu zeigen, so viel Mut zu lesen, daß es Frauen gibt, die sich genauso bewußt dafür entschieden haben sich so zu zeigen, wie sie sind!

    Ganz viele liebe Grüße an alle!

    Antwort
    • 11. haircoaching  |  April 12, 2016 um 1:14 pm

      Liebe Anna,
      Danke, dass du uns an deinem neuen Weg teilhaben lässt.
      HG
      Jenny

      Antwort
  • 12. Sonja S.  |  April 14, 2016 um 7:45 am

    Hallo Anna,
    Ich bin momentan genau wie Du auf einem guten Weg.
    Genau das gleiche Problem hatte ich nämlich die letzten Jahre auch. Allerdings hatte ich selber auch noch ein Problem mit dem Aussehen. Am Beginn der Grundschule habe ich mich regelrecht versteckt. Entweder ich trug Perücke, das fiel so kleinen Kids noch nicht auf, oder Kopftuch. Wenn dann ein Kind fragte, warum ich das Tuch trage, sagte ich nur, ich hätte mir heute morgen noch nicht die Haare gewaschen und hübsch gemacht. Doch jetzt ändert sich das alles. Meine Kinder sind nun 9 und 11. Ich werde selbstbewusster und meine Kids gleich mit. Zunächst habe ich angefangen, zu Hause ohne Kopfbedeckung rumzulaufen, damit es für meine Kinder ganz normal wird. Momentan bin ich in der Phase „im Garten ohne rumlaufen“ und den Freundeskreis per Facebookkampagne und mit Gesprächen aufklären. So wird es auch für Familie und Freunde ganz normal. Ich habe vor Kurzem auch mal schöne Fotos machen lassen und die meiner Tochter und ihrer Freundin gezeigt. Beide empfanden mich darauf trotz Glatze als hübsch. So wird es immer mehr zur Normalität. Momentan trage ich draußen unterwegs noch meine Beanie Mütze. Ist ja doch noch frisch am Kopf. Aber das wird mit steigenden Temperaturen sicher weniger. Spätestens beim ersten Freibadbesuch werde ich keine doofe Badekappe mehr tragen und zwangsläufig den Mitschülern begegnen. Bis dahin hat es sich hoffentlich weiter normalisiert und weiter rumgesprochen. Letztens Jahr war ich auch schon in einem weiter entfernten Bad ohne Kappe. Das war so befreiend! So Stück für Stück wird das bei uns 🙂
    Liebe Grüße aus dem Norden
    Sonja

    Antwort
    • 13. Anna  |  April 14, 2016 um 7:04 pm

      Hallo Sonja,
      gerade habe ich Deine Zeilen gelesen und so, wie es aussieht, bist Du in einer ähnlichen Situation wie ich. Es tut gut, zu erfahren, dass es jemanden gibt, der auch gerade dabei ist, sich nach und nach die Freiheit mit kahlem Kopf zu erobern.
      Ich war auch die ersten Male mit „doofer“ Badekappe im Schwimmbad-und natürlich ist sie mir beim Kopfsprung vom Kopf gerutscht. Panisch suchte ich die Kappe und versuchte, darüber zu lachen, aber in dem Moment war mir gar nicht wohl. In so eine Situation wollte ich nicht mehr kommen und so habe ich allen Mut zusammen genommen und war schon dreimal in unserem Schwimmbad ohne Kappe. So, wie Du auch schreibst, war es ein herrlich befreiendes Gefühl!
      Im Garten bin ich auch ohne Kopfbedeckung und da heute bei uns so ein schöner Tag war, habe ich mich auch so im Garten aufgehalten. Da fühle ich mich sicher und die Nachbarn wissen schon Bescheid über die areata. Ohne Vorwarnung standen plötzlich Bekannte der Nachbarn am Zaun, die wir auch vom sehen her kennen und ich realisierte sofort, dass ich nix auf dem Kopf hatte. Aber um eine Mütze aufzusetzen, war es dann auch schon zu spät. Und dann stand auch noch plötzlich der Vorbesitzer unseres neuen Hauses im Garten. Ihm habe ich dann gleich erklärt, warum ich keine Haare habe und er sagte, dass seine Frau das auch schon mal hatte, aber nur eine Stelle auf den Kopf. Er ging echt locker damit um, so, als wäre es ganz normal, dass eine Frau ohne Haare vor ihm steht.
      Es sind diese kleinen Situationen, in die man ständig im Alltag gerät, die einen immer weiter voran bringen. Wie Du auch schreibst:“So Stück für Stück wird das bei uns!“
      Ich danke Dir ganz herzlich für Deine Zeilen-hat mir sehr geholfen!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

      Antwort
  • 14. Anna  |  April 14, 2016 um 8:23 am

    immer wieder neue Situationen…

    Auf dem Weg, mit der areata ein selbstbewusstes Leben zu führen,
    kommt man ständig in neue Situationen und Herausforderungen.
    Gestern bin ich mit meiner kleinen Tochter in eine neue Eltern-Kind-Turngruppe gekommen und machte mir natürlich vorher meine Gedanken bezüglich meines Auftretens dort, denn es sind jede Menge fremde Frauen dabei.
    Mütze oder Tuch-aber eigentlich ist es ja viele zu warm in der Turnhalle, also doch gleich mit kahlem Kopf?!
    Ich entschied mich dafür, mich so zu zeigen, wie ich bin, also ohne störende Kopfbedeckung.
    Ich war schon sehr aufgeregt vorher, habe aber dann meine Mütze in der Umkleide gelassen, habe tief durchgeatmet und bin mit freundlichem Gesicht und erhobenem Haupt in die Turnhalle gegangen.
    Es war ein richtig befreiendes Gefühl, sich nicht unter einer Kopfbedeckung zu verstecken, sondern sich so zu zeigen, wie man ist! Und wenn mich jemand angeschaut hat, habe ich freundlich gegrüßt. Aufgeregt war ich schon, aber mein Selbstbewusstsein ist in dieser Hinsicht wieder ein bisschen gewachsen.
    Für die Kinder, die alle noch sehr klein sind( um die 3 Jahre), war es überhaupt kein Thema. Ich glaube, die realisieren das noch nicht so richtig.
    Eigentlich wollte ich in großer Runde beim Verabschieden alle aufklären über meinen kahlen Kopf, aber leider hat sich dazu keine Möglichkeit ergeben. So habe ich mit ein paar Einzelnen gesprochen und sogar positive Resonanz über mein Aussehen bekommen.
    Das tut wirklich sehr gut und ich bin ein bisschen gestärkter aus dieser Turnstunde gekommen.
    Jenny hat wirklich Recht: je selbstbewusster und positiver man nach außen hin mit seinem kahlem Kopf auftritt, um so positivere Reaktionen erhält man zurück. Diese Erfahrung konnte ich schon ein paar Mal machen und-bisher-habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht.
    Jede neue Situation ist also gut, um ein kleines bisschen zu wachsen.
    Ganz viele liebe Grüße an alle!

    Antwort
  • 15. Anna  |  Mai 24, 2016 um 8:41 pm

    Haare ja-oder nein?!

    Schon öfter habe ich darüber nachgedacht, ob ich mir meine Haare zurück wünsche und ob ich mich freuen würde, wenn sie gerade zum jetzigen Zeitpunkt wieder kommen würden.
    Seit Ende letzten Jahres, also seitdem mein Kopf kahl ist, kreisen meine Gedanken ständig darum, wie ich in den verschiedensten Lebensbereichen mit meinem veränderten Aussehen auftrete-offen, oder doch versteckt mit Kopfbedeckung und so manche Situation habe ich schon erfolgreich kahlköpfig hinter mich gebracht und nur positive Reaktionen bekommen. Und jedes Mal bin ich ein kleines bisschen selbstbewusster geworden, und besonders dann, wenn man mir gesagt hat, ich könnte gut mit Glatze gehen (denn ich bin mir selbst nicht all zu oft sicher über mein Aussehen). Ich habe das Gefühl, dass die areata mich in Bezug auf mein Aussehen und meinem Auftreten anderen gegenüber viel sicherer macht, als ich es mit Haaren jemals war.
    Wenn ich darüber nachdenke, dass meine Haare nun wiederkommen könnten, habe ich Angst, von meinem momentanen Weg in ein selbstbewussteres Leben abzukommen und den Gewinn, den ich durch die areata erziele, wieder aufzugeben.
    Denn genauso sehe ich es für mich-areata als Gewinn, als Gewinn für mehr Selbstvertrauen, als Gewinn, die „Geisel“ des täglichen Haarstylings los zu sein, als Gewinn in ein freieres, zwangloseres Leben.

    Einzig meine Kinder lassen es für mich ein bisschen anders sehen.
    Gerade heute hatte ich ein Gespräch mit meinem zehnjährigen Sohn, der im Sommer auf eine neue große Schule kommt. Er sagte mir, dass die Vorstellung, die ganzen anderen Schüler könnten seine Mama so ohne Haare sehen, ihm sehr unangenehm ist( leider ist auch er sehr unsicher, wie er nach außen auf andere wirkt). Ich habe ihm dann erklärt, je offener und selbstverständlicher wir damit nach außen hin umgehen, desto selbstverständlicher wird es für die anderen werden. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, für meine Kinder ist die areata etwas Alltägliches geworden, aber so, wie ich mir meine Gedanken im Vorfeld mache, so macht mein Sohn sie sich wohl auch.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir-für meine Kinder-meine Haare wieder zurück wünschen würde, für mich wohl eher nicht.

    Ich bin zur Zeit sehr zufrieden, so, wie es jetzt ist, obwohl natürlich noch viele, viele neue Situationen auf mich warten und die mich beim bloßen „Drandenken“ schon ziemlich nervös machen. Aber ich freue mich auch darauf, in der Hoffnung, wieder gestärkter daraus hervor zu gehen und positive Erfahrungen zu machen.
    Ich denke, irgendwie ist immer alles für irgendetwas gut, auch wenn man es nicht gleich so offensichtlich sieht.

    Mich würde es sehr interessieren, ob noch mehr areata-Betroffene
    ähnliche Gedanken haben, sich vielleicht auch sehr gut mit dem
    veränderten Aussehen arrangiert haben und auch nicht genau wissen, ob sie sich ihre Haare zurück wünschen oder nicht.
    Ich würde mich sehr über Eure Kommentare zu dem Thema zu freuen!

    Liebe Grüße an alle!

    Antwort
  • 16. Jenny Latz  |  August 9, 2016 um 1:34 pm

    Weil die liebe @Anna momentan im Mega-Umzugsstress steckt, will ich ihre letzte Nachricht an mich via Email hier noch kurz einfügen:
    „Das Freibad „oben ohne“ ist nun auch gemeistert-
    und das sogar richtig entspannt und befreit! ( Vor dieser
    Situation hatte ich wohl noch vor einigen Wochen mit den größten
    Respekt! )
    Jetzt sieht es so aus, dass ich mich überall frei und ungehemmt
    mit freiem Kopf draußen bewege und ich oft schon gar
    nicht mehr darüber nachdenke, dass ich keine Haare mehr habe.
    Für mich ist das Thema jetzt geklärt, akzeptiert und auch nach außen
    hin selbstverständlich.
    Ich kann nur immer wieder DANKE JENNY sagen!

    Alles Liebe und Gute für Dich!“

    Wir haben zu danken für deine tolle Berichterstattung! (y)

    Antwort
  • 17. Bewegende Erlebnisse ohne Haare | Jenny Latz  |  Februar 2, 2017 um 4:08 pm

    […] Alopecia areata: Mama hat keine Haare – Wie können meine Kinder damit umgehen? […]

    Antwort

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Jenny Latz

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Haircoach, Autorin und Schönheitsexpertin

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