Frau mit Glatze: Stolz sein oder verzweifeln?

August 3, 2016 at 1:18 pm 7 Kommentare

Ich möchte meine Berichterstattung vom Dermatologenkongress mal unterbrechen für einen Diskussionsbeitrag, der viele von euch interessiern könnte.
Wie jedes Jahr nutze ich meine Kreativpause dazu, endlich an Dingen zu arbeiten, für die wegen der vielen Beratungen und dem Büroalltag sonst kaum Zeit bleibt.
Als die Erstauflage meiner Autobiografie Das Glück beginnt im Kopf erschien, gab es massenweise Presseberichte. Social Media gab fast gar nicht und Facebook wurde erst ein Jahr später gegründet. 😉
Unter anderem war in Bild der Frau ein Bericht über mich und meine Geschichte erschienen.

2003-Bild-der-FrauUnzählige Zuschriften von betroffenen Frauen erreichten mich. Alle besagten, dass ich ihnen Mut mache. Nur eine Dame kritisierte mich per Email, wie folgt:

Liebe Frau Latz,
in der „Bild der Frau“ habe ich Ihre Geschichte gelesen. Um mir darüber eine Meinung zu bilden, hätte es gereicht, wenn ich nur die Überschrift gelesen hätte. Sie sind heute stolz auf Ihre Glatz? Nein, liebe Frau Latz, das können Sie den Leuten nicht weismachen. Besser ware gewesen, Sie hätten geschrieben, Sie haben sich mit Ihrem Schicksal abgefunden. Aber stolz sein – nein, das ist doch etwas daneben gegriffen.
Vielleicht hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, Ihnen zu schreiben, wenn ich nicht selbst eine Betroffene wäre. (…)
Auch ich war in einer Fernsehsendung zu Gast und habe (…) über meinen Leidensweg und die Gesundung gesprochen. (…) habe ich hunderte von Briefen und Anrufen von verzweifelten Menschen erhalten, die selbst oder ein naher Angehöriger das gleiche Schicksal wie ich erlitten hatten. Von keiner einzigen Person habe ich gelesen, dass sie stolz auf ihre Glatze ist, sondern alle haben sich in tiefster Verzweiflung an mich gewandt, (…)
Also, liebe Frau Latz, seien Sie ehrlich, hätten Sie nicht auch gern wieder Ihr prachtvolles Haar und wären Sie und Ihr Mann nicht glücklich darüber?
Aber immerhin, ich bewundere Ihre Gelassenheit, dass Sie sich mit Ihrem Schicksal abgefunden haben.

Wie ist eure Meinung zu diesem Statement?
Ich freue mich auf eine offene Diskussion und bin gespannt auf eure Kommentare!

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Wie sollte die Haarsprechstunde beim Dermatologen ablaufen? Alopecia areata – Ebook macht Mut

7 Kommentare Add your own

  • 1. Theres Raimondi  |  August 3, 2016 um 2:14 pm

    Ich habe nun seit 10 Hahren am ganzen Körper keine Haare mehr. Seit ca zwei Wochen traue ich mich an die Öffentlichkeit ohne Tuch und Perücke. Ich würde sagen ich bin stolz auf mich, dass ich nun den Mut habe mich so zu zeigen. Aber könnte ich wählen oder wünschen – dann möchte ich wieder meine Haare und auch die Wimpern. Da ich es nicht ändern kann bleibt mir nichts anderes übrig als es zu akzeptieren und das beste daraus zu machen. Es gibt immer wieder div. Gespräche auch mit Aerzten die Alopecia nicht kennen. Da bin ich schon auch Stolz über die Krankheit zu erzählen. Aber auf meine Glatze bin ich nicht stolz.

    Antwort
  • 2. sweetkoffie  |  August 3, 2016 um 2:31 pm

    Das ist halt eine Meinung, die man zu dem Thema haben kann.
    Allerdings klingt die Mail der Dame für mich recht negativ und angriffslustig.
    Hmmm … womöglich hat sie ein Problem, ein größeres als du womöglich.
    Mich würde interessieren, was sie den Leuten rät, die sie vertrauensvoll kontaktieren.
    LG sk

    Antwort
  • 3. Anja Hüben  |  August 3, 2016 um 2:49 pm

    Ich durfte durch eine Chemotherapie die Erfahrung, eine Glatze zu haben , machen. Es war nicht immer leicht, hatte aber durchaus tolle Momente : warmer Sommerwind, Sonne, Regen ..
    …für mich war es eine Frage der inneren Haltung! Und die strahlt man aus!… entweder ich verstecke mich oder mach einen Look daraus. Die Wahl hat jeder…und so habe ich auch Jenny Latz immer empfunden! Chapeaux…ob darunter Haare sind oder nicht!

    Antwort
  • 4. Ullif  |  August 3, 2016 um 8:29 pm

    Mit Anfang 20 sind mir auch alle Haare ausgefallen und ich lebe mit dem totalen Haarausfall seit 20 Jahren.
    Ehrlich gesagt empfinde ich weder Stolz darauf noch Verzweiflung. So bin ich nun mal. In einer vertrauten Umgebung, bei guten Freunden oder meinem Freund nehme ich meine Perücke ab, wenn mir danach ist. Obwohl ich als Musikerin auf der Bühne stehe, genieße ich im Alltag keineswegs die Aufmerksamkeit. Daher empfinde ich meine Perücken als Schutz vor den Augen und Urteilen anderer.
    Für mich ist es ein Weg, der noch nicht zu Ende ist und immer wieder Überraschendes birgt.
    Natürlich hätte ich einerseits meine Haare gern zurück, aber vor allem nervt es mich, die wirkliche Ursache nicht zu kennen. Andererseits bin ich mit der Unkompliziertheit meiner jetzigen Perücke (eine die jetzt wirklich zu mir passt) sehr sehr zufrieden und würde das auch nicht missen wollen …

    Antwort
  • 5. Anna  |  August 3, 2016 um 9:52 pm

    Diesen durchaus negativen Kommentar der Dame finde ich vollkommen unangebracht!
    Es ist eine absolute Anmaßung, so über andere-in diesem Fall Dich, liebe Jenny- zu urteilen! Sie schließt von sich selbst auf andere, nur, weil sie ein Problem mit ihrem Aussehen zu haben scheint und es wohl nicht schafft, sich so zu akzeptieren, wie sie ist. Schade für sie, doch sollte sie andere nicht mit ihren negativen Äußerungen zum Zweifeln bringen.
    Ich finde es so toll, dass Du sagst:“Ich bin stolz auf meine Glatze!“, denn somit machst Du so vielen anderen Mut und zeigst, dass es möglich ist, stolz auf sein Aussehen zu sein, auch wenn man keine Haare hat, gerade deshalb stolz zu sein, dass man eine Glatze hat.
    Denn jede Frau kann stolz auf sich sein, die es geschafft hat, zu sich zu stehen und selbstbewusst mit der Glatze in die Öffentlichkeit zu gehen. Und somit kann man doch stolz auf seine Glatze sein!
    Ich habe erst seit gut einem halben Jahr durch die Areata keine Kopfbehaarung mehr und bin allerdings seit ungefähr zwei Monaten komplett ohne Kopfbedeckung unterwegs. Ich habe so viel positive Resonanz bekommen, dass ich wirklich auch sagen kann:“Ich bin stolz auf meine Glatze!“ Ich fühle mich freier, uneingeschränkter und selbstbewußter, als ich es mit Haaren war. Das ist doch ein guter Grund, stolz auf seine Glatze zu sein!
    Und manchmal ist es doch auch ganz interessant, etwas anders als die breite Öffentlichkeit auszusehen, oder?
    Das ich so locker mit der Haarlosigkeit umgehen kann, verdanke ich unter anderem gerade auch solchen positiven Artikeln.
    Ziemlich mies ist auch, dass diese Dame den Partner da mit reinzieht. Frau macht sich oft genug Gedanken, ob sie ihrem Partner gefällt und er sie auch ohne Haare attraktiv findet.
    Ich glaube, Mann ist glücklich, wenn Frau es auch ist, ob mit, oder ohne Haare. Mein Mann mag meine Glatze und sagt mir ganz oft, dass er mich so, wie ich bin, schön findet. Und ich denke, dass trifft für die meisten Männer zu!
    Sehr schade, dass es so einen negativen Kommentar geben muß, aber wenigstens regt er zum Diskutieren und Nachdenken an!

    Antwort
  • 6. Ute Faust  |  August 4, 2016 um 7:26 am

    Ich kenne Jenny nun mal nur mit Glatze. Und kann sie mir anders nicht vorstellen. Eine coole, selbstbewußte Frau die weiß was sie will. Ich weiß nicht was Haare daran ändern sollten. Ich bin stolz auf meine Locken, sie ist stolz auf ihre Glatze. Das „Geheimnis“ daran ist doch sich so zu lieben wie man ist, oder? Und dann tun das die andern automatisch auch. Kann man auf alles anwenden nicht nur auf Glatzen.

    Antwort
    • 7. Jenny Latz  |  August 4, 2016 um 10:30 am

      Na, was sagt man dazu?
      Zum ersten Mal meldet sich eine liebe Freundin hier zu Wort. Klasse! Und Danke, liebe Ute! See you sooen. 😉

      Antwort

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Haircoach, Autorin und Schönheitsexpertin

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